SEHNERV Medienkunstpreis 2020

Der Künstler Augustin Rebetez wird mit dem Sehnerv Medienkunstpreis 2020 ausgezeichnet.

Die Shortlist der Finalistinnen und Finalisten umfasst sechs Werke der engsten Auswahl:

1. Steven Schoch, «Enjoy #2»

2. Martina Morger, «Lèche Vitrines»

3. Ruth Baettig, «Painting #9 (Persona)»

4. Doris Schmid, «Ströme II»

5. Dominik Stauch, «Five Short Stories»

6. Sara Stäuble, «Nachtmeerfahrt»


Steven Schoch, «Enjoy #2»

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Steven Schoch, «ENJOY #2»

Single-Channel Video, 2018, Dauer: 5′ 44″

 

Steven Schoch’s Videoperformance lässt Referenzen zur Malerei der Romantik entdecken und stellt diese in einen spannungsreichen Dialog mit dem Denken der Gegenwart. Die Szenerie erinnert an Caspar David Friedrichs «Wanderer über dem Nebelmeer»... Ein Mann steht, den Rücken dem Betrachter zugewandt, vor einem schneebedeckten weiten Gebirgszug und wie es scheint vor «seinem inneren Eismeer» das er durch seine Performance auch zu dem unsrigen machen wird. Er entrollt eine rote Flagge mit weissem Schriftzug «ENJOY» und verweilt in heroischer Pose mit wehender Fahne. Aktuelle Themen wie Klimawandel und Gletscherschmelze scheinen genauso in Schochs Performance aufzuscheinen wie tief empfundene Sehnsucht oder Melancholie. Ewigkeit und Augenblick verbinden sich zu einem wirkmächtigen meditativen Bild, zu einer Metapher für jenen Moment in dem wir tatsächlich leben. (Medienkunstverein Sehnerv, Frantiček Klossner, 2020)

Steven Schoch (*1987) ist bildender Künstler, Schauspieler, Choreograph und Tänzer sowie Musiker und Sänger. Aufgewachsen in St.Gallen, wohnt und arbeitet er derzeit in Basel. Er absolvierte sein Bachelor-Studium in Fine Arts am Institut Kunst HGK FHNW in Basel und sein Master-Studium in Expanded Theater an der Hochschule der Künste HKB in Bern.

 

Webseite des Künstlers:

http://stevenschoch.ch/

 



Martina Morger, «Lèche Vitrines»

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Martina Morger, «Lèche Vitrine»

Single-Channel Video, 2020, Dauer: 16′ 48″

 

«Lèche Vitrine» war eine Performance im öffentlichen Raum von Paris während der COVID-19-Pandemie im Frühling 2020. Nach dem französischen Sprichwort für „Schaufensterbummel“, das wörtlich übersetzt „Fenster lecken“ bedeutet, schlendert Martina Morger durch die Strassen von Marais, einem der angesagtesten Viertel, inspiziert die ausgestellten Produkte und leckt das Trennglas. Die Objekte des Begehrens sind sowohl Alltags-, als auch Luxusprodukte. Durch die Geste des Leckens oszilliert die Figur in «Lèche Vitrine» zwischen absurden Streben nach Individualismus in einer kapitalisierten Umgebung und dem Verlangen nach einer Erlösung eben diesem.

 

 

Martina Morger (*1989) arbeitet mit Fokus auf Performance und lotet die Grenzen zu anderen Medien aus. Ihre Praxis ist verknüpft mit Kybernetik, Körper und Code. Das Untersuchen der individuellen Freiheit in Bezug auf Technologie ist ihr ein Hauptanliegen. Sie absolvierte ihr Bachelor-Studium an der Hochschule der Künste ZHdK in Zürich und an der Universität für angewandte Kunst in Wien. An der renommierten Glasgow School of Arts absolvierte sie 2018-2019 das Masterstudium (MLitt) Master of Letters in Fine Arts Practice. Martina Morger ist Kuratorin der Performancefestivals «Perrrformat» und «stereoskop», mit denen sie Performancekunst im urbanen, öffentlichen Raum präsentiert. Ihre Werke waren vertreten im Rahmen des internationalen Symposiums «Kunst im Datenraum» des Fürstentums Liechtenstein an der 58. Biennale in Venedig.

 

Webseite der Künstlerin:

https://www.martinamorger.com

 

 



Ruth Baettig, «Painting #9 (Persona)»

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Ruth Baettig, «Painting #9» (Persona)»

Single-Channel Video, 2020, Dauer: 5′ 31″

 

Mit der Werkreihe «Painting» hat die Künstlerin einen umfangreichen Werkzyklus zur Filmgeschichte angelegt. In langsamen meditativen Malgesten werden bekannte Filmsequenzen «erinnert» und «aufgedeckt». Es sind Momente des sich "darin Verlierens" und des sich "darin (Wieder)-Findens". Die einzelnen Videoarbeiten bewegen sich zwischen Performance, videografischer Forschung und Malerei. «Painting #9» zeigt eine Schlüsselszene mit der Schauspielerin Bibi Andersson im Film «Persona» von Ingmar Bergmann. In Ruth Baettig’s Video wird die (Kino)-Leinwand zum Experimentierfeld zwischen kultureller Teilhabe und dem aktiven Eingriff in das kollektive Erinnern. (Medienkunstverein Sehnerv, Frantiček Klossner, 2020)

Ruth Baettig (* 1964) ist freischaffende Künstlerin in den Bereichen Video, Fotografie, Performanz. Sie lebt in Luzern und Basel. 1992-1996 absolvierte sie ihr Studium an der Kunsthochschule ESAV in Genf im Atelier Medias-Mixtes bei Silvie und Cherif Defraoui. Masterstudiengänge schloss sie an der Kunsthochschule für Medien in Köln 1998-2000 und an der Ecole Nationale des Beaux-Arts in Paris 2001-2002 ab. Es folgten Werkaufenthalte an der Cité des Arts Paris (F), Rotterdam (NL), Beirut (Libanon) und Yerevan (Armenien). 2010 war sie mit dem PfeiferMobil zwei Monate in Italien auf den Spuren von Goethe unterwegs. 2020 arbeitet sie im Atelier Mondial in Berlin.

 

Webseite der Künstlerin:

https://www.ruthbaettig.com/

 

 



Doris Schmid, «Ströme II»

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Doris Schmid, «Ströme II», aus der Werkreihe «Der Körper als Heimat»

Single-Channel Video, 2018, Dauer: 5′ 48″, Musik: Jürgen Palmtag

 

Wir gehen durch die Großaufnahme eines Auges hindurch auf eine Reise: Es entfalten sich Passagen und Episoden des Körpers, entlang körperlicher Zustände und Wahrnehmungen, Kräften und Strömungen und deren Zusammenwirken. Nahaufnahmen aus dem Inneren des menschlichen Körpers treffen auf Makroaufnahmen von Pflanzen und auf Bilder von Frauen in Trainingsräumen, deren Körperbeherrschung die Welt in der Schwebe hält. Doris Schmid’s Videoarbeit ist ein Dialog zwischen Bild und Ton, zwischen Hören und Sehen. In einer Art Appendix zum Video erscheint eine Botin (Athina Lange): In Gebärdensprache erklärt sie den Film aus Sicht der Künstlerin Doris Schmid und des Musikers Jürgen Palmtag, ohne akustische Übersetzung in die Sprache der Hörenden.

Doris Schmid (*1974 in der Schweiz) lebt in Aarau und Berlin. Die Künstlerin absolvierte ihr Studium an der Schule für Gestaltung Basel (1989-92) und an der F+F Schule für Kunst und neue Medien in Zürich (1993-97). Seit 2000 werden ihre Werke in zahlreichen Ausstellungen und Videofestivals im In- und Ausland gezeigt. Studienaufenthalte in Residenz-Stipendien verbrachte sie in Tokio, Wien, Berlin, Paris und Nairs.

 

 

Webseite der Künstlerin:

http://www.dorisschmid.net/

 

 



Dominik Stauch, «Five Short Stories»

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Dominik Stauch, «Five Short Stories»
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Dominik Stauch, «Five Short Stories»

Single-Channel Video, 2018, Dauer: 12′ 00″

 

Tagebuchartige Gedanken einer generellen Unsicherheit, hervorgebracht durch eine Epidemie. Verschwörungstheorien vs. Fakten – innere Bilder einer sich wandelnden Gesellschaft.

 

1.) An Eye for an Eye (Point to Line to Plane)

Freie Sicht aufs Mittelmeer. Auch Grenze zwischen Europa und Afrika. Standpunkt bestimmt Perspektive. Sehnsucht nach einem besseren Leben.

 

2.) Twist and Shout (Big Boogie Woogie)

365 Bilder - Found Footage der kulturellen Post Pop Ära - ein unterdrückter Aufschrei. Loslassen schmerzt.

 

3.) Solitude and Grace (Ballets Russes)

Einsamer Tanz zweier Farben. Ein Versuch Bestehendes zu erhalten und Neues zu hoffen.

 

4.) Stand By (Requiem)

Auren absinkender Klänge und deren zufälligen Überschneidungen. Eine sechsstimmige Klang- und Farbkomposition - systematisch durch den Zufall des Würfels ermittelt.

 

5.) On the Road Again (Exodus)

Sichtverhältnisse einer Heimfahrt entlang der zur Covid-Risikogebiet erklärten Italienischen Riviera. Die Poesie des Ziellosen und des Unbekannten.

Dominik Stauch (*1962 in London) verbrachte den grössten Teil seiner Kindheit in London, Cleveland Ohio/USA und Kairo. Er lebt und arbeitet in Thun.

 

1980–84 Ausbildung zum Grafiker in Bern

1984–87 Studium an der Hochschule der Künste Berlin

Stipendien und Preise:

2018/19 Werk-Buch Kanton Bern

2008 Atelierstipendium Berlin / Stadt Thun

2008 Anerkennungsbeitrag der UBS Kulturstiftung, Zürich

2007 Anerkennungspreis der Stiftung für Graphische Kunst in der Schweiz

2005 Preis für Bildende Kunst der Stadt Thun

2001 Aeschlimann Corti Stipendium der Bernischen Kunstgesellschaft

 

Webseite des Künstlers:

http://stau.ch

 



Sara Stäuble, «Nachtmeerfahrt»

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Sara Stäuble, «Nachtmeerfahrt»
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Sara Stäuble, «Nachtmeerfahrt»

Single-Channel Video, 2018, Dauer: 12′ 00″

 

Zitat der Künstlerin zu ihrem Video: «Steiniger Grund, ein wiegendes Nest und der passende Schlüssel. Eine traumwandlerische Expedition ins Unterbewusstsein. Versunkene Erinnerungen werden geborgen und Verlorengeglaubtes aufgespürt. Tief einatmen und abtauchen in eine poetische Auseinandersetzung mit dem Vergangenen.»

Sara Stäuble (*1988) ist seit 2012 als selbständige Künstlerin und Filmemacherin tätig. Ihr Studium absolvierte sie an der Hochschule für Design und Kunst in Luzern. (Bachelor-Studium 2009-2012 / Masterstudium Art Teaching 2017-2020). Sie realisiert sowohl eigene Film-Projekte wie auch Auftragsarbeiten und unterrichtet im Bereich bildnerisches Gestalten. Ihr Werk «Nachtmeerfahrt» wurde beim Avanca Film Festival 2018 mit dem Video Prize ausgezeichnet. 2015 erhielt sie das Zentralschweizer Atelierstipendium in Berlin.

 

Webseite der Künstlerin:

https://www.sarastaeuble.ch/

 



Verein zur Förderung von Medienkunst SEHNERV.org